Neuerscheinung: Günther Jikeli – Antisemitismus und Diskriminierungswahrnehmungen junger Muslime in Europa

Ergebnisse einer Studie unter jungen muslimischen Männern. Antisemitismus. Geschichte und Strukturen, Band 7, 2012, Klartext Verlag, Essen 342 Seiten, 29,90 €, ISBN: 978-3-8375-0165-0

Zentrale Ergebnisse der vergleichenden StudieBuch GJ

Es gibt einen spezifisch muslimischen Antisemitismus in Europa. Dieser

  • kann sich in aggressiver Form äußern und ist eine Gefahr für Juden,
  • lässt sich nicht auf Israelhass reduzieren und
  • kann nicht durch Diskriminierungserfahrungen entschuldigt oder erklärt werden.

Junge Muslime in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zeigen ähnliche antisemitische Argumentationsmuster: klassischer Antisemitismus, israelbezogener Antisemitismus, religiös und ethnisch begründeter Antisemitismus und Judenfeindschaft ohne Rationalisierungsversuche. Bei letzterem wird Judenfeindschaft als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Eine ganz selbstverständliche Judenfeindschaft sitzt bei vielen Muslimen tief und wird von der übrigen Bevölkerung oft mit Verweis auf den Nahostkonflikt oder Diskriminierungen, unter denen Muslime zu leiden haben, hingenommen. Somit können sich Muslime in ihren Einstellungen bestätigt fühlen. Hemmschwellen zur antisemitischen Gewalt sind oft gering.

Inhaltsverzeichnis

Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

2. EuropäischeMuslime zwischen Integration und Diskriminierung . 17

3. Antisemitismus unterMuslimen in Europa –

ein Forschungsdefizit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

4. Der Forschungsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55

5. Die Interviewpartner: 117 Individuen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69

6. Diskriminierung und Ausschluss aus der nationalen Identität . . . . 77

7. Antisemitische Denkmuster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

„Klassischer“ moderner Antisemitismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119

Bezüge zu Israel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148

Bezüge zum Islam, der religiösen oder ethnischen Identität . . . . . . 180

Verzicht auf Rationalisierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212

8. Quellen antisemitischer Einstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245

9. Fünf positive Beispiele: Ablehnung von Antisemitismus . . . . . . . . 291

10. Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 307

11. Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321

12. Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335

Arbeitsdefinition „Antisemitismus“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335

Liste der Interviewpartner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 339

 

Zusammenfassung

Es gibt einen spezifisch muslimischen Antisemitismus in Europa. Dieser kann latent, aber auch massiv und aggressiv geäußert werden und stellt eine Gefahr für Juden dar. Günther Jikeli weist nach, dass sich der Antisemitismus muslimischer Jugendlicher weder durch Diskriminierungserfahrungen erklären noch auf „Israelkritik“ oder Antizionismus reduzieren lässt.

Der Autor hat muslimische, männliche Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu ihren Diskriminierungserfahrungen, Identitäten und Einstellungen zu Juden befragt. Diskriminierungen werden in den Ländern unterschiedlich empfunden, wie sich auch die Identifikation als Deutscher, Franzose bzw. Brite unterscheidet. Die ablehnende Haltung gegenüber Juden ist hingegen länderübergreifend. Dazu gehören antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien, ein auf Israel bezogener Antisemitismus sowie negative Bilder von Juden und antisemitische Zuschreibungen, die mit der eigenen muslimischen oder ethnischen Identität begründet werden.

Ausführlich erörtert Günther Jikeli in seinem Buch verschiedene Quellen und Einflussfaktoren. Zahlreiche Zitate aus Interviews mit über 100 Jugendlichen veranschaulichen, wie muslimische Jugendliche ihre antijüdischen Einstellungen selbst begründen. Der Autor ist bei seinen Recherchen aber auch auf muslimische Jugendliche gestoßen, die sich dem Antisemitismus explizit entgegenstellen und so beispielhaft verdeutlichen, wie der Judenfeindschaft begegnet werden kann.

 

Über den Autor

Bis Anfang 2012 OSZE/ ODIHR Adviser zur Bekämpfung von Antisemitismus. Promotion 2011 am Zentrum für Antisemitismusforschung, Technische Universität Berlin. International Fellow der Groupe Sociétés, Religions, Laïcités / CNRS, Paris und des International Institute for Education and Research on Antisemitism. Kontakt zum Autor: G.Jikeli@iibsa.org       Blick ins Buch http://web.klartext-verlag.de/zusatzangebote/978-3-8375-0165-0.pdf