
Das Internationale Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung (IIBSA) hat im Rahmen einer Recherche des ARD-faktenfinder an der Analyse von 4,2 Millionen Kommentaren auf dem Instagram-Account der tagesschau mitgewirkt.
Die Auswertung war Teil einer internationalen Recherchekooperation, die insgesamt mehr als 17,5 Millionen Kommentare auf Social-Media-Kanälen europäischer öffentlich-rechtlicher Medien untersuchte. Der Beitrag des IIBSA bezog sich auf die Analyse der tagesschau-Kommentarspalten und die Einordnung auffälliger Muster einer Einflusskampagne und von Bot-Netzwerken zugunsten des iranischen Regimes.
Im Mittelpunkt standen mutmaßlich automatisierte oder koordinierte Kommentarnetzwerke, die Kommentare im Sinne des iranischen Regimes verbreiteten, Proteste gegen das Regime abwerteten oder antiwestliche und antizionistische Narrative verstärkten. Auffällig waren unter anderem wortgleiche Kommentare, enge Zeitfenster, hohe Wiederholungsraten und Profilmerkmale, die auf gekaufte Reichweite, Klickfarmen oder Bot-Netzwerke hindeuten können.
Dr. Kim Robin Stoller, Vorsitzende des IIBSA, ordnete die Befunde für den ARD-faktenfinder aus analytischer Perspektive ein. Mit Blick auf nahezu wortgleiche Kommentare in sehr kurzer Zeit erklärte sie: „Technisch ist das eindeutig: Hunderte wortgleiche Kommentare unter einem einzigen Beitrag, im Minutentakt, fast Hundert Prozent Duplikate – kein Mensch tippt so.“
Auch bei den Profilmerkmalen verwies Stoller auf Hinweise, die für gekaufte Reichweite, Klickfarmen oder automatisierte Netzwerke sprechen. Auffällig waren etwa neu angelegte Accounts, längere Zahlenkombinationen in Profilnamen, wenige Follower_innen, kaum eigene Beiträge oder wiederkehrende technische Muster.
Zugleich macht die Auswertung deutlich, wie wichtig analytische Differenzierung ist. Nicht jede koordinierte Aktivität ist automatisch ein Bot-Netzwerk. Der ARD-faktenfinder greift hier weitere Einordnungen von Stoller auf: Manche Muster deuten auf mutmaßlich automatisierte Netzwerke hin, andere eher auf gekaufte Reichweite, koordinierte Verstärkung durch wenige Accounts oder abgesprochene Kampagnen authentischer wirkender Profile.
Die Analyse zeigt, wie Kommentarspalten reichweitenstarker Nachrichtenkanäle gezielt genutzt werden können, um öffentliche Debatten zu beeinflussen, Narrative zugunsten des iranischen Regimes zu verstärken und demokratische Öffentlichkeit unter Druck zu setzen.
Das IIBSA beschäftigt sich seit Jahren mit Antisemitismus, Islamismus, Rechtsextremismus, digitaler Mobilisierung, Künstlicher Intelligenz und internationaler Einflussnahme. Die Auswertung mit dem ARD-faktenfinder zeigt exemplarisch, wie journalistische Recherche, wissenschaftliche Analyse und digitale Methodik zusammenwirken können, um Manipulationsversuche in öffentlichen Kommunikationsräumen sichtbar zu machen.
Zum Artikel des ARD-faktenfinder: „Wie Bots die Kommentarspalten auf Social Media manipulieren“
https://www.tagesschau.de/investigativ/iran-social-media-bots-100.html