Antisemitismus an deutschen Hochschulen – Artikel von Kim Robin Stoller (IIBSA) erschienen

Kim Robin Stoller hat in dem von Günther Jikeli und Olaf Glockner herausgegebenen Sammelband “Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023” einen Artikel mit dem Titel “Antisemitismus an deutschen Hochschulen” veröffentlicht, in dem das Ausmaß des Antisemitismus an deutschen Universitäten und Hochschulen untersucht und besprochen wird.

Einen Einblick in den Text vermittelt dieser Ausschnitt:

Das antisemitische Massaker der Hamas hat Folgen für Israelis, Jüdinnen und Juden in und außerhalb Israels und führte weltweit zu einer Mobilisierung des Antisemitismus. Auch an deutschen Hochschulen kam es seit dem 7. Oktober 2023 zu einem vehementen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Dabei ist ein Paradoxon zu beobachten: Je radikaler und genozidaler sich der Antisemitismus und die Forderungen nach der Vernichtung Israels und dem Kampf gegen die Juden im Nahen Osten artikulieren, desto stärker nimmt der Antisemitismus auch in sogenannten westlichen Ländern zu. Anstelle einer einhelligen Verurteilung des eliminatorischen und terroristischen Antisemitismus wird dieser zunehmend rationalisiert, verharmlost oder befürwortet. Besonders auffällig ist dies an den Hochschulen im Kontext antiisraelischer Proteste und Besetzungen.

Jüdische und israelische Studierende und Lehrende sind an deutschen Hochschulen zum Teil massiven Anfeindungen ausgesetzt, insbesondere wenn sie sich nicht explizit gegen Israel aussprechen oder sich gar mit Israel solidarisieren. Der Angriff auf den Studenten der Freien Universität Berlin, Lahav Shapira, in Berlin-Mitte im Februar 2024 sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Er wurde außerhalb des Universitätsgeländes in der Innenstadt von einem Kommilitonen brutal angegriffen und schwer verletzt. Shapira hatte sich zuvor gegen israelfeindliche Demonstrationen an der Freien Universität Berlin eingesetzt und Plakate entfernt, die Israels Staatsgründung als Landraub bezeichneten. Der mutmaßliche Täter, ein arabischstämmiger 23-jähriger Lehramtsstudent, schlug und trat Shapira ins Gesicht, was zu schweren Verletzungen wie Knochenbrüchen im Gesicht und einer leichten Hirnblutung führte. Aber auch Anfeindungen, Mobbing und ein feindseliges Klima an Hochschulen führten zu Einschüchterung, Erschöpfung und teilweisem Fernbleiben jüdischer und israelischer Studierender und Lehrender vom Campus. Hinzu kommt, dass viele jüdische und israelische Studierende selbst Angehörige oder Freund:innen hatten oder haben, die am 7. Oktober ermordet wurden, von der Hamas nach Gaza verschleppt wurden oder anderweitig betroffen sind.

Seit 2016 führen wir in unserer Arbeit am Internationalen Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung (IIBSA) regelmäßig regionale und bundesweite Treffen mit Studierendengruppen und gewählten Studierendenvertretungen sowie Lehrenden durch, die sich in der Präventionsarbeit gegen Antisemitismus engagieren. Im Rahmen dieser Treffen erfolgt ein Austausch über antisemitische und Israelhass-Dynamiken und deren Auswirkungen an Hochschulen. Darüber hinaus führen wir ein Online-Monitoring von antisemitischen und Israelhass-Aktivitäten an deutschen Hochschulen durch. Antisemitismus an den Hochschulen ist kein neues Phänomen, die Situation hat sich seit dem 7. Oktober aber drastisch verschärft.

In diesem Kapitel werden unterschiedliche Ebenen des Antisemitismus an deutschen Hochschulen analysiert, einschließlich der Akteurinnen und Akteure des Geschehens und möglichen Gegenmaßnahmen. Neben der Auswertung der vom IIBSA erfassten Aktivitäten fließen die im Rahmen unserer Arbeit vorgenommenen Berichte von jüdischen und nicht-jüdischen Studierendengruppen und Lehrenden dabei ebenso ein wie Berichte des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), der Betroffenenberatungsstelle Ofek, sowie regionaler Melde- und Beratungsstellen zu Antisemitismus. Berücksichtigung finden auch eine Umfrage des Netzwerks Jüdischer Hochschullehren‐ der unter seinen Mitgliedern sowie eine bundesweite Umfrage unter Studierenden vom Dezember 2023.

Das Buch ist beim Georg Olms Verlag sowie im deutschen Buchhandel erhältlich.

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